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Das ProjektSeit 7. Dezember 2006 darf die Staatliche Fachoberschule und Berufsoberschule Regensburg den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ tragen, seit dem Projekttag am 29. März 2007 auch offiziell. 84,35% aller Schüler, Lehrer, Hausmeister und sonstiger an der Schule Beschäftigter haben mit ihrer Unterschrift Folgendes erklärt:
Das Ergebnis von 85 ProzentDieses Ergebnis von knapp 85% übertrifft zwar mühelos die geforderten 70%, zeigt aber auch, dass es für 15% der Staatlichen Fachoberschule und Berufsoberschule Regensburg keine Selbstverständlichkeit ist, an bestehenden Vorurteilen zu arbeiten oder dafür zu sorgen, dass im eigenen Lebensumfeld rassische Diskriminierung nicht toleriert wird.Warum sollten wir uns auch in dieser Hinsicht von der übrigen Gesellschaft unterscheiden? Es mag zwar an unserer Schule vieles besser sein, schließlich kommen zu uns lernwillige und Veränderungen gegenüber aufgeschlossene Schüler, was aber die im Wesentlichen anerzogenen Werthaltungen anbetrifft, unterscheiden wir uns kaum von der übrigen Bevölkerung bzw. Schülerschaft. Vergleicht man das Ergebnis mit den allgemein verbreiteten Einstellungen zu rassistischem und fremdenfeindlichem Gedankengut, wie es im Jahr 2007 auf alarmierende Weise die Untersuchung der Friedrich-Ebert-Stiftung zutage gefördert hat oder jedes Jahr aufs Neue zum Beispiel die Shell-Jugendstudie oder Professor Heitmeyers „Deutsche Zustände“ [1] untersuchen, so bestätigt sich in diesen 85 Prozent jedoch, was wir schon immer wussten, dass wir nämlich auf einer Insel der Glückseeligen leben. Den Studien zufolge ist jeder Vierte fremdenfeindlich gestimmt, jeder Fünfte wünscht sich „einen Führer, der Deutschland mit starker Hand regiert“ [2], über zehn Prozent sind der Meinung, dass es „unwertes Leben“ [3] gebe, Formulierungen, direkt aus dem Wörterbuch des Unmenschen. Wie dem auch sei – wir haben allen Grund, aktiv zu werden und die Augen und Ohren weit offen zu halten für menschenrechtsverletzende Gesinnungen, nicht zuletzt an unserer Schule. Wie alles begannAuf dem Pausenhof nach dem Rechten sehenDie Augen und Ohren haben die Schüler der BVSST (Vorklasse Sozial und Technik) im Schuljahr 2006/07 offen gehalten. Sie wollten nicht mehr länger tatenlos zusehen, wie ein aus der gewaltbereiten rechten Szene einschlägig bekanntes Mitglied der Kameradschaft Asgard Ratisbona (mittlerweile aufgelöst) auf dem mit der Berufsschule gemeinsam genutzten Pausenhof immer mehr Schüler um sich scharte. Die BVSSTler fertigten schließlich Flugblätter an mit dem doppeldeutigen Titel „Auf dem Pausenhof nach dem Rechten sehen“ und verteilten sie frühmorgens vor dem Schulgelände. Für diese Aktion erhielten unsere Schüler am 9. Dezember den mit 500 Euro dotierten Hans-Weber-Preis für Zivilcourage verliehen.Hans-Weber-Preis für Zivilcourage Der mit
insgesamt 2500 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre am Todestag des ehemaligen Bürgermeisters der Stadt
Regensburg und Verfolgten des Naziregimes, Hans Weber, an unter 25-Jährige verliehen, die durch ihren Einsatz für
Toleranz und Demokratie, durch ihr Engagement für das Gemeinwesen oder durch gezeigte Zivilcourage ein Beispiel
gegeben haben.Mutig war die Initiative der BVSST in jedem Fall, blieb sie doch von dem Sympathisantenkreis um die Kameradschaft/NPD nicht unbemerkt, sodass die Flugblattverfasser zum Beispiel aus Sicherheitsgründen für einige Zeit nur mehr gemeinsam den Schulweg antraten. Leider hatte man sich damit nicht nur mit einigen Berufsschülern angelegt, sondern auch mit den Schulleitungen, die sich v.a. über die sensationsheischenden Anrufe der Presse nicht sehr erfreut zeigten und die Schüler der BVSST zum Gespräch baten. Um solche Unstimmigkeiten in Zukunft zu vermeiden und rechtzeitig und konzertiert gegen Rassisten vorgehen zu können, wurde die Bildung eines Arbeitskreises im Rahmen des Projektes SOR-SMC angestrebt. Es sollte eine schützende Hand über Schüler gehalten werden, die mutig für die Grundwerte der Demokratie eintreten. Die Suche nach einem Schirmherren
So versuchten die Schüler auf der Preisverleihung im Runtingersaal den Laudator Dr. Hans-Jochen Vogel als
Schirmherren für unser Projekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage zu gewinnen.
Herr Dr. Vogel lehnte jedoch leider ab, weil der mittlerweile 80-Jährige keine Schirmherrschaft übernehmen
wollte, die er nur nominell ausüben könnte.Die mit hochrangigen Vertretern aus Gesellschaft und Politik gut besuchte Preisverleihung lenkte unsere Aufmerksamkeit schließlich auf den Regierungspräsidenten der Oberpfalz, Herrn Dr. Wolfgang Kunert. Wir konnten ihn bei der Amtseinführung von Herrn Kirchberger für die Sache gewinnen. Mit nur einer Gegenstimme wurde Herr Kunert von den Mitgliedern des Arbeitskreises gewählt. Bei der langwierigen Suche, die dieser Wahl vorausging, haben sich Schüler um verschiedene Prominente aus den Bereichen Musik, Kabarett und Medien bemüht, was jedoch ohne Erfolg blieb. Meistens kam die Absage bereits von den Agenturen, wie z.B. bei Ottfried Fischer oder Gerhart Polt. Schwierig gestaltete sich die Suche auch deswegen, weil es wenige Kandidaten mit Bezug zu Regensburg gibt. Einige geeignete Prominente waren nicht bereit, diese Aufgabe zu übernehmen, wie DSDS-Star Elli. Der von uns favorisierte Otto Schwerdt ist bereits Schirmherr des SOR-Projekts am Von-Müller-Gymnasium (VMG). Er verstarb am 30.12. 2007. Neben dem VMG und dem Albrecht-Altdorfer-Gymnasium (AAG) sind wir die dritte Schule in Regensburg, die den Titel erworben hat. Damit noch mehrere Schulen folgen, suchen wir den Kontakt zu anderen Regensburger Schülern. Dass es ist nicht einfach ist, eine SOR zu werden, kann die bei den wöchentlichen Treffen regelmäßig anwesende Sozialpädagogin der Berufschule II, Simone Ferner, am Beispiel ihrer Schule bestätigen. Erste Aktionen
Erste Gehversuche unternahm der AK im wörtlichen Sinne zusammen mit der ganzen Schule bei der von der Stadt
Regensburg, den christlichen Kirchen, der jüdischen Gemeinde und dem DGB angesetzten
Demonstration „Rote Karte für Rechtsaußen“. Hierfür wurden vom AK Plakate
angefertigt. Obwohl es regnete, kamen rund 5000 Demonstranten zum Haidplatz, um der NPD Paroli zu bieten,
die nicht erst seit ihrem Bayern-Tag am 17. Juni 2006 immer massiver im Raum Regensburg präsent ist. Beim ersten Treffen der am SOR-SMC-Projekt Interessierten trugen sich noch 72 Schüler in die
Anwesenheitsliste ein. Wie kann ein solch gewaltiges Interesse überhaupt organisiert werden? Ordnung schafft
ein Schwarzes Brett, das als Erstes eingerichtet wurde, um Aktuelles aus Arbeitskreis (AK) und Presse der
Schülerschaft zugänglich zu machen und wichtige Termine anzukündigen. Nach einigen weiteren Treffen und einem
ersten gemeinsamen Kennenlern-Stammtisch, bei dem an einem Freitagabend zum gemeinsamen „Wiener-Essen“
eingeladen wurde, kristallisierte sich allmählich ein fester Stamm von 15 Getreuen und etwa zehn weiteren
hilfsbereiten Engagierten heraus.Stellvertretend für die Schülerschaft haben sich diese Schüler nicht nur für die Schule, sondern auch für eine demokratische und tolerante Gesellschaft eingesetzt. Die offizielle Titelverleihung am Projekttag „Vorurteile und Diskriminierung“ am 29.03.2007Die Auszeichnung als SOR-SMC verlangt von jeder Schule, dass sie mindestens ein Mal im Jahr eine Aktion für Toleranz und Menschenwürde und gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung unternimmt.
Aber schließlich geht es ja nicht um eine liederliche Pflichterfüllung. Ebenso wenig kann man sich jetzt,
nachdem die Postulate „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ auf Schildern die Fassaden
unserer Schulhäuser zieren, beruhigt zurücklehnen. Sondern es geht darum, ehrliches Interesse und berechtigtes
Engagement sinnvoll umzusetzen und somit nachhaltige Strukturen zu schaffen, die eine „Stärkung
der Bürgergesellschaft“ (Schirmherr Dr. Kunert in seinem Grußwort bei der Titelverleihung) ergeben.
Insofern enthalten die Schilder und der Titel eine Botschaft an jedermann und sind als Auftrag für eine
Veränderung des Schullebens und der Schulkultur im Allgemeinen zu verstehen. Indem der seit Jahren am
Wochenende vor Ostern stattfindende Projekttag dieses Mal unter das Motto „Vorurteile und
Diskriminierung“ gestellt wurde, haben wir eine bereits bestehende Struktur mit dem neuen SOR-Projekt
sinnvoll verknüpfen können. Zum
einen wurde dadurch das Projekt als gesamtschulisches gerechtfertigt. Denn es muss immer wieder betont werden,
dass die oben aufgeführte Selbstverpflichtung alle Lehrer und Schüler unterschrieben haben und mit dem
Projekttag nun alle ihren Beitrag zu einer antirassistischen und couragierten Schule leisten konnten.Zum anderen bot der Projekttag die Möglichkeit zu einer feierlichen Überreichung der Urkunde und der Schilder durch unseren Schirmherren, Dr. Kunert. Dessen Rede und die offizielle Auszeichnung als
SOR-SMC wurde in einen kulturellen Rahmen eingebettet. Nach der Begrüßungsrede unseres Schulleiters übernahmen
die Schüler die Moderation und die Beiträge, so wie es in den Statuten der Bundeskoordination des Projektes SOR
vorgesehen ist. Die F13T1 führte unter der Regie von Frau Mittenzwei einige Schlüsselszenen aus „Andorra“
von Max Frisch auf. In diesem Stück glaubt der andorranische Jude Andri schließlich selbst, was ihm „die
Anderen“ eingeredet haben. Dass er nämlich als Jude anders gehe, anders schaue, an anderes denke usw., obwohl
er in Wirklichkeit gar kein Jude ist, sondern der Sohn des Dorflehrers. Weiterhin trug die Schülerband zur
künstlerischen Gestaltung bei und die B12S1 zeigte ihr selbst erstelltes Musikvideo zu dem Lied „Spring“
der Gruppe Rammstein. Außerdem wurde eine Rap-gegen-Rechts-Performance mit eigenen Texten von FOS-Schülern dargeboten. Die Schülersprecher Florian Schaffer (BOS)
und
Sebastian Koch (FOS), beide im Arbeitskreis SOR-SMC aktiv, sprachen über das Making-of von SOR beziehungsweise über
den Auftrag, gegen Rassismus aktiv zu werden.Am Vormittag des Projekttages gab es eine Fülle von unterschiedlichsten Veranstaltungen. Unser AK-Mitglied Sebastian Koch organisierte und moderierte eine Podiumsdiskussion zum NPD-Verbot u.a. mit Polizeidirektor Mache. Thomas Witzgall, der (ehemalige) Juso-Vorsitzende, Student der Geschichte und ausgezeichnete Kenner der rechten Szene, hielt einen multimedialen Vortrag über die Entwicklung des Rechtsextremismus in Regensburg. Es würde zu weit führen, alle Projekte des Vormittags einzeln zu erwähnen, weshalb folgende Aufzählung lediglich eine Auswahl wiedergibt: Eingeladen wurden außer Thomas Witzgall und den Teilnehmern der Podiumsdiskussion folgende Experten und vom Thema Betroffene: der Leiter der Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus in Weimar, Friedrich Burschel, der Journalist Robert Andreasch (u.a. SZ, BR), verschiedene Regensburger Zeitzeugen der NS-Zeit, die EU-Botschafterin Frau Hellwig-Schmid, die AIDS-Beratungsstelle sowie engagierte Mütter von Kindern mit Down-Syndrom. Die begehrte Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung „Rechtsradikalismus in Bayern“ von Dr. Angerstorfer wurde in der Aula der BOS präsentiert. Verschiedene Theaterstücke und Sketche kamen zur Aufführung. Zahlreiche Ausstellungen informierten u.a. zu den Themen Mobbing, Guantanamo, Dritte Welt, Holocaust, Korruption usw. Mit dem Projekttag hat die Schule eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie ihren neuen Titel zu Recht erhalten hat. Chanukka
Der Arbeitskreis hat immer wieder auch eigene Projekte auf die Beine gestellt. Der erste Anlauf
wurde bereits anlässlich des Weihnachtsbasars am Ziegelweg unternommen, wo über das jüdische Lichterfest
„Chanukka“ informiert wurde. Die bei diesem Fest traditionell gebackenen Krapfen wurden
verschenkt, das Dreidel-Spiel gespielt und über jüdische Kultur und Antisemitismus im Allgemeinen aufgeklärt.
InfostandNach Weihnachten etwa fiel die Entscheidung für das Projekt Infostand in der Fußgängerzone. Der AK hat trotz wechselnder Zusammensetzung und krankheitsbedingter Ausfälle an diesem Vorhaben festhalten können. Dazu wurden Sonnenschirme gekauft, die mit dem Logo von SOR-SMC verziert wurden, wofür eigens eine Sprühschablone angefertigt wurde. Mehrere Hundert Buttons wurden gepresst, zu diesem Zweck hat das „Kreativ-Team“ Motive entworfen. Hauptsächlich sollte an dem Infostand über die rassistischen Ideologien informiert werden. Dafür wurde das Thema in sieben Bereiche eingeteilt, die von den Schülern für den Infostand auf DIN-A3-Format ausgearbeitet worden sind. Die Auswertung von Zeitungsartikeln aus MZ / Rundschau, Donaupost und Wochenblatt ergab eine chronologische Betrachtung der rechtsextremistischen Aktivitäten in Regensburg. Sie setzt bei den Demonstrationen der NPD um Weihnachten 2005 ein, betrachtet deren burschen- bzw. kameradschaftliches Umfeld, thematisiert den Bayern-Tag der NPD am 17. Juni 2006 sowie deren Pläne für die Zukunft. Insbesondere das Vorhaben, sich 2008 ganz auf Bayern zu konzentrieren, d.h. den Sprung in den Regensburger Stadtrat und den Bayerischen Landtag zu versuchen.Es sollte aber nicht nur
über rassistische Organisationen informiert werden, sondern auch über den Ansatz des Projektes SOR-SMC, eine
Gegenkultur an den Schulen zu schaffen. Weitere Bereiche der Themenmappe sind deswegen ein „Making-of-SOR“
und ausführliche Informationen zum Schulprojekt. Darüber hinaus wurden zahlreiche Broschüren von Aussteiger-Initiativen,
von der Bundes- und der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, unterschiedlichen Parteien und verschiedenen
anderen Organisationen sowie eigene Flugblätter mit Argumentationshilfen gegen Stammtischparolen verteilt.Die Durchführung in der Fußgängerzone verlief aufgrund der sorgfältigen Vorbereitung reibungslos. Es war äußerst interessant für uns mit anzusehen, wie die Passanten in der Fußgängerzone auf das Thema reagierten. Viele Lehrer, Eltern und Schüler zeigten sich begeistert von dem Engagement der Schüler und nahmen sich gerne Zeit, über die Problematik zu sprechen. Natürlich kamen auch einige „national engagierte“ Frauen (!) und junge Skinheads, denen wir gerne eine Aussteigerhilfe in die Hand drückten. Zu einer verbalen Auseinandersetzung kam es jedoch mit dieser „Kundschaft“ (leider) nicht, so wie die gesamte Aktion an allen drei Terminen friedlich verlief und freundlich von den Passanten aufgenommen wurde. Einige Erfolge gab es auch für das Anliegen, ein Regensburg-weites
Netz von SOR zu schaffen. V.a. das Goethe-Gymnasium konnten wir begeistern: Eine Lehrerin möchte die
Projektteilnahme anregen und der Schülersprecher, F. Michl, blieb lange Zeit bei uns. Wahrscheinlich wird das
Goethe-Gymnasium im Schuljahr 07/08 nach dem VMG, dem AAG und unserer Schule die vierte Regensburger SOR.Die Abiturwoche ist vorüber - der AK macht weiter! Obwohl am 17. Juni das Abitur geschrieben und damit das Schuljahr so gut wie vorüber ist, hat sich der AK für die Teilnahme am „Fest für Toleranz und Demokratie“ entschlossen, das am 16. und 17. Juni am Rockzipfel stattgefunden hat. Dort, wo 2006 zur gleichen Zeit die NPD ihren Bayern-Tag abgehalten hat. Am 7. Juli wurde ein letztes Mal im Schuljahr 07/08 der Infostand am Wochenende ins Auto geladen und der Öffentlichkeit präsentiert. Diesmal auf dem interkulturellen Fußballturnier auf dem Prüfeninger Sportgelände zusammen mit engagierten Schülern des Arbeitskreises am AAG. Die Aktionen im Jahr 2007 wurden finanziell unterstützt durch das Bundesförderprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend „Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, gegen Rassismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit“.
gez. Roland Woike, StR |
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[1] Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.): Deutsche Zustände, Frankfurt a.
M.: Suhrkamp 2006 [2] Vgl. Decker, O./Brähler, E.: Vom Rand zur Mitte. Rechtsextreme Einstellungen und ihre Einflussfaktoren, http://www.fes.de/rechtsextremismus/pdf/Vom_Rand_zur_Mitte.pdf, aufgerufen am 15.05.2007, S. 33. [3] Ebd., S. 35 |
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Staatliche Fachoberschule und Berufsoberschule
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Der mit
insgesamt 2500 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre am Todestag des ehemaligen Bürgermeisters der Stadt
Regensburg und Verfolgten des Naziregimes, Hans Weber, an unter 25-Jährige verliehen, die durch ihren Einsatz für
Toleranz und Demokratie, durch ihr Engagement für das Gemeinwesen oder durch gezeigte Zivilcourage ein Beispiel
gegeben haben.
So versuchten die Schüler auf der Preisverleihung im Runtingersaal den Laudator Dr. Hans-Jochen Vogel als
Schirmherren für unser Projekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage zu gewinnen.
Herr Dr. Vogel lehnte jedoch leider ab, weil der mittlerweile 80-Jährige keine Schirmherrschaft übernehmen
wollte, die er nur nominell ausüben könnte.
Erste Gehversuche unternahm der AK im wörtlichen Sinne zusammen mit der ganzen Schule bei der von der Stadt
Regensburg, den christlichen Kirchen, der jüdischen Gemeinde und dem DGB angesetzten
Demonstration „Rote Karte für Rechtsaußen“. Hierfür wurden vom AK Plakate
angefertigt. Obwohl es regnete, kamen rund 5000 Demonstranten zum Haidplatz, um der NPD Paroli zu bieten,
die nicht erst seit ihrem Bayern-Tag am 17. Juni 2006 immer massiver im Raum Regensburg präsent ist.
in die
Anwesenheitsliste ein. Wie kann ein solch gewaltiges Interesse überhaupt organisiert werden? Ordnung schafft
ein Schwarzes Brett, das als Erstes eingerichtet wurde, um Aktuelles aus Arbeitskreis (AK) und Presse der
Schülerschaft zugänglich zu machen und wichtige Termine anzukündigen. Nach einigen weiteren Treffen und einem
ersten gemeinsamen Kennenlern-Stammtisch, bei dem an einem Freitagabend zum gemeinsamen „Wiener-Essen“
eingeladen wurde, kristallisierte sich allmählich ein fester Stamm von 15 Getreuen und etwa zehn weiteren
hilfsbereiten Engagierten heraus.
Aber schließlich geht es ja nicht um eine liederliche Pflichterfüllung. Ebenso wenig kann man sich jetzt,
nachdem die Postulate „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ auf Schildern die Fassaden
unserer Schulhäuser zieren, beruhigt zurücklehnen. Sondern es geht darum, ehrliches Interesse und berechtigtes
Engagement sinnvoll umzusetzen und somit nachhaltige Strukturen zu schaffen, die eine „Stärkung
der Bürgergesellschaft“ (Schirmherr Dr. Kunert in seinem Grußwort bei der Titelverleihung) ergeben.
Insofern enthalten die Schilder und der Titel eine Botschaft an jedermann und sind als Auftrag für eine
Veränderung des Schullebens und der Schulkultur im Allgemeinen zu verstehen. Indem der seit Jahren am
Wochenende vor Ostern stattfindende Projekttag dieses Mal unter das Motto „Vorurteile und
Diskriminierung“ gestellt wurde, haben wir eine bereits bestehende Struktur mit dem neuen SOR-Projekt
sinnvoll verknüpfen können. Zum
einen wurde dadurch das Projekt als gesamtschulisches gerechtfertigt. Denn es muss immer wieder betont werden,
dass die oben aufgeführte Selbstverpflichtung alle Lehrer und Schüler unterschrieben haben und mit dem
Projekttag nun alle ihren Beitrag zu einer antirassistischen und couragierten Schule leisten konnten.
SOR-SMC wurde in einen kulturellen Rahmen eingebettet. Nach der Begrüßungsrede unseres Schulleiters übernahmen
die Schüler die Moderation und die Beiträge, so wie es in den Statuten der Bundeskoordination des Projektes SOR
vorgesehen ist. Die F13T1 führte unter der Regie von Frau Mittenzwei einige Schlüsselszenen aus „Andorra“
von Max Frisch auf. In diesem Stück glaubt der andorranische Jude Andri schließlich selbst, was ihm „die
Anderen“ eingeredet haben. Dass er nämlich als Jude anders gehe, anders schaue, an anderes denke usw., obwohl
er in Wirklichkeit gar kein Jude ist, sondern der Sohn des Dorflehrers. Weiterhin trug die Schülerband zur
künstlerischen Gestaltung bei und die B12S1 zeigte ihr selbst erstelltes Musikvideo zu dem Lied „Spring“
der Gruppe Rammstein. Außerdem wurde eine Rap-gegen-Rechts-Performance mit eigenen Texten von FOS-Schülern dargeboten. Die Schülersprecher Florian Schaffer (BOS)
und
Sebastian Koch (FOS), beide im Arbeitskreis SOR-SMC aktiv, sprachen über das Making-of von SOR beziehungsweise über
den Auftrag, gegen Rassismus aktiv zu werden.
Der Arbeitskreis hat immer wieder auch eigene Projekte auf die Beine gestellt. Der erste Anlauf
wurde bereits anlässlich des Weihnachtsbasars am Ziegelweg unternommen, wo über das jüdische Lichterfest
„Chanukka“ informiert wurde. Die bei diesem Fest traditionell gebackenen Krapfen wurden
verschenkt, das Dreidel-Spiel gespielt und über jüdische Kultur und Antisemitismus im Allgemeinen aufgeklärt.
über rassistische Organisationen informiert werden, sondern auch über den Ansatz des Projektes SOR-SMC, eine
Gegenkultur an den Schulen zu schaffen. Weitere Bereiche der Themenmappe sind deswegen ein „Making-of-SOR“
und ausführliche Informationen zum Schulprojekt. Darüber hinaus wurden zahlreiche Broschüren von Aussteiger-Initiativen,
von der Bundes- und der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, unterschiedlichen Parteien und verschiedenen
anderen Organisationen sowie eigene Flugblätter mit Argumentationshilfen gegen Stammtischparolen verteilt.
Regensburg-weites
Netz von SOR zu schaffen. V.a. das Goethe-Gymnasium konnten wir begeistern: Eine Lehrerin möchte die
Projektteilnahme anregen und der Schülersprecher, F. Michl, blieb lange Zeit bei uns. Wahrscheinlich wird das
Goethe-Gymnasium im Schuljahr 07/08 nach dem VMG, dem AAG und unserer Schule die vierte Regensburger SOR.



